Beiträge

Wir besuchen die Zitadelle von Sisteron. Grandios liegt sie auf scharfen Klippen hoch über dem Tal der Durance – seit 2.000 Jahren das Tor zur Provence!

Auf der Via Domitia, der ersten Römerstraße, die in Gallien gebaut wurde, radeln wir gen Süden.

Die Via Domitia verband einst Italien mit Spanien auf dem Landweg: Sie überquert die Alpen am Col de Montgenèvre (1.854 m), folgt dem wilden Tal der Durance, überquert die Rhone bei Beaucaire und läuft schließlich an der Küste des Mittelmeeres bis zu den Pyrenäen.

Wir sind wieder am Leben und rollen! Und wie: Vom italienischen Susatal über den Col de Montgenèvre (1.854 m) in die französische Region Provence-Alpes-Côte d’Azur.

Auf dass die Scheibenbremsen glühen!

Unai hat entschieden, von nun an zu wandern!

Ist es ein Zufall, dass wir uns gerade in Santhià aufhalten? Seit mehr als tausend Jahren pilgern die Menschen auf der Via Francigena von Canterbury nach Rom, und nun bittet man ausgerechnet uns, der Stadt die Ehre einer Übernachtung in ihrer Pilgerherberge zu erweisen.

Unai, so sagt man, sei der jüngste Pilger, dessen Santhià je ansichtig wurde: venti mesi.

Heute mal wieder ein Highlight: Wir übernachten in einer Gärtnerei!

Zunächst entdeckten wir die wohlschmeckenden Tomaten, dann Äpfel, Himbeeren und schließlich einen Wasserschlauch. Was soll ich sagen, es folgte eine der besten Duschen der Reise! Wir zogen uns alle splitterfasernackt aus und sprangen tropfnass durch den Baumarkt.

Erst ganz am Schluss entdeckten wir auch die vielen Überwachungskameras.

Das ist uns auch noch nirgends passiert: Von der Straße weg werden wir in Italien zum Übernachten in die Schlafzimmer vollkommen fremder Menschen gezerrt.

Ein Beispiel?

In Cima starrte Unai so lange auf die Gebäckstange neben uns, dass er schließlich nicht nur eine erhielt. Wir fanden uns auch bald alle in der Küche einer Großfamilie wieder.

Natürlich gab es Pasta, und im Anschluss fuhren wir für einen Digestif auf die Piazza – zu acht im Fiat Panda!

Der Höhepunkt war die Nacht, denn tatsächlich teilten wir mit unseren Gastgebern das Schlafzimmer: 6 Leute, 4 m², 1 Ventilator.

Wir haben die 1.000-Kilometer-Marke geknackt und übernachten heute feierlich und angemessen in den Kreuzgängen des Klosters von San Candido. Olé!

Endlich sind wir in Südtirol, dem Land des Weines und des Specks und des ersten vernünftigen Espressos auf dem Weg nach Süden.

Südtirol ist ein Paradies, in dem sich Nord und Süd die Hand reichen – Lärchen und Palmen, Äpfel und Trauben, Knödel und Pasta. Alpine Bodenständigkeit trifft auf italienisches Dolce Vita, deutsche Regenkleidung auf südländischen Fahrspaß.

Und: Es gibt in Südtirol die schönsten Radwege!

Einer von ihnen führt durch das Pustertal. Er beginnt an der italienisch-österreichischen Grenze, in 1.200 m Höhe, und endet in Bozen, tausend Höhenmeter tiefer. Dazwischen liegen 100 herrliche Kilometer Abfahrt auf perfekt ausgebauten Pisten, durch Wälder und über Almwiesen, und vor allem haben wir die Dolomiten immer im Blick!

Als Jenni schwanger wurde, brauchten wir dringend ein Dach über dem Kopf. Um die Suche zu erleichtern, beschränkten wir sie auf drei Kontinente: Südamerika, Asien, Europa.

Argentinien ist korrupt, Nepal assimiliert nicht. Blieb Europa.

Skandinavien ist zu teuer, Spanien bankrott, die Schweiz unbezahlbar. Blieb Deutschland.

Während wir das Internet durchkämmten, entwarf mein Vater Karten. Zuerst die Lage aller deutschen Kernkraftwerke samt Evakuierungsradius von 50 Kilometern. Als nächstes: Giftmülldeponien und atomare Endlager, die Befallsgebiete des Eichenprozessionsspinners, Pegida.

Um es kurz zu machen: Wir landeten an der Ostsee. Unglaublich, doch nun empirisch belegt: Mecklenburg ist der einzige bewohnbare Fleck auf dem Planeten – und zufällig auch nur eine halbe Stunde vom Haus meiner Eltern entfernt.

Natürlich hatten wir nicht genug Geld, aber davon erzähle ich morgen.

Es gibt Situationen im Leben, da ist es dem Partner schwer zu vermitteln, dass das, was man gerade tut, schön ist.

Einer dieser kostbaren Momente, in denen sich der Schmerz in den Beinen, das Eis im Gesicht und die Schönheit vor Augen einander die Waage halten. In denen man die Verletzlichkeit spürt, der man auf dem Fahrrad ausgesetzt ist. Einer dieser Momente, in denen Jenni verfluchte, mit mir auf Reisen gegangen zu sein, und ich rufen möchte: „Nicht das richtige Rad muss man haben, sondern die richtige Einstellung!“

Dies ist so ein Moment.

Der Unterschied war: Ich wusste, warum wir uns das antun. Jenni nicht. Die Antwort ist „Peter“. In zwei Tagen werden wir bei ihm sein.

Wie ist das, wenn du dich mit einem Lastenfahrrad durch die Berge quälst? Wenn du dem Wetter ausgesetzt bist, der Wind dich ärgert und dir der Regen ins Gesicht schlägt?

Dann wirst Du ganz klein. Dann wirst Du ein Punkt in der Landschaft, die sich unmittelbar vor Dir öffnet und hinter Dir schließt. Sie umgibt Dich wie ein Meer und hüllt Dich vollkommen ein. Und in dieser Blase bist Du nur mit Dir beschäftigt: mit dem Zittern deiner Beine, dem Schweiß, dem Wogen des Blutes.

Doch wir rollen – langsam, stetig – durch Hochnebel und Platzregen. Unai fühlt sich pudelwohl in seiner Kiste, und so machen wir weiter – bis zu einem Verschlag am Nordhang der Hohen Tauern.

Auf der Postalm wird es interessant: Wer das größte Hochplateau Österreichs erleben möchte, muss sich durch 10 Kilometer Serpentinen beißen.

Nun bin ich ja schon in den Anden gewesen: miserable Pisten, dünne Luft, und die Pässe liegen in 5.000 m Höhe – aber all das könnt ihr vergessen!

Fahrt mit einem beladenen Lastenrad durch die Voralpen, und ihr lernt durch Erleben, dass das Ziel nicht das wichtigste ist, sondern der Weg dorthin. Jeder Meter eine Meditation! Wozu der Buddhismus 1.000 Jahre brauchte, reicht die Strecke von Strobl nach Abtenau.

Weiter geht’s auf dem Elberadweg nach Pirna. Ist alles wie vorher? Nicht wirklich. Uns fehlt das sanfte Schaukeln des Elbkahns, das stille Vorübergleiten der Landschaft – und das tschechische Bier zum Frühstück. Ich glaube, ich habe mich verliebt. In die Elbe, in Deutschland und das Reisen auf See.

Hatten wir auf der Jungfernfahrt noch bescheidene 19 Kilometer zurückgelegt, konnten wir uns bereits am zweiten Reisetag steigern!

21.

Am dritten Tag schaffen wir 39 Kilometer und am vierten 57.

Dabei kriegen wir einen ersten Einblick in die unbekannte Welt möglicher Malheure: Bei der Fahrt über Kopfsteinpflaster, beispielsweise, können sich Kinder auf die Lippen beißen und schier verbluten. Sie können spurlos verschwinden in einem der vielen Mecklenburger Getreidefelder. Und natürlich bekommen sie in den unpassendsten Momenten Lust auf Muttermilch.

Und wohin? Nach Pamplona. Wir, das sind Jenni, Unai, Beltza und ich. Jenni ist meine Freundin, Unai unser Sohn, und von Beltza erzähle ich morgen.

Grober Kurs: Baskenland. Jennis Verwandten möchten Unai gern einmal sehen.

Kein Problem, wir kommen!

Elbe und Moldau hinauf in den Böhmerwald, durch Salzkammergut, Hohe Tauern und Dolomiten, entlang der Oberitalienischen Seen, durch Piemont und Provence, über die Cevennen und die Pyrenäen – ein Klacks!

 

Y adónde? Hasta Pamplona. Nosotros, somos André, Unai, Betza y yo. André es mi pareja, Unai  nuestro maravilloso hijo, y de Beltza os cuento mañana.

En grandes líneas: Mi familia tiene ganas de ver a Unai y de compartir tiempo con nosotros.

Pues bien. Allá vamos!

Los ríos Elba y Moldava hasta el bosque de Bohemia, cruzando el Salzkammergut, el Hohe Tauern y las Dolomitas, bordeando los lagos italianos, El Piamonte, La Provenza, Las Cevenas y Los Pirineos. Esto es pan comido!

Madre mía, quién me mandaría a mí?

10.00 Uhr: Wir verlassen Bäbelin für eine Probefahrt.

10.52 Uhr: Ankunft in Neukloster.

11.47 Uhr: Was alles reinpasst, in so ein Lastenfahrrad! 4 Bierbüchsen, 2 Milchkartons, 8 Äpfel, 1 Trinkflasche, diverse Spielzeugautos, Kekse und Windeln, 1 Fahrradschloss, Werkzeug und Ersatzschläuche (versteckt unter dem Sitz) – und ein Baguette für die Mama

12.28 Uhr: Bei Teplitz in den Straßengraben gefallen. Die Pumpe hatte sich in meinem Hosenbein verfangen.

In der Hamburger Fahrradmanufaktur Velo 54 bekommt unser Douze den letzten Schliff. Was für ein Rad! Am 12.12.2012 kam es mit einem Paukenschlag auf den Markt, und sein Erscheinungsdatum wurde namensgebend für den französischen Hersteller Douze Cycles (Douze = 12).

Das Besondere am Douze ist seine modulare Bauweise. Es ist mit einem stabilen Stahlrahmen am Heck sowie einer Alufront ausgestattet und kann in der Mitte per Schnellverschluss auseinandergebaut werden. Das Rad ist also teilbar und lässt sich für den Transport einfach zerlegen! Auch sonst steckt das Douze voller raffinierter Details: Eine Seilzug-Lenkung sorgt für agiles, spielfreies und sehr direktes Lenkverhalten. Dazu gibt es standardmäßig hydraulische Scheibenbremsen und als Antrieb – Rohloff sei Dank – eine Speedhub 500/14 Getriebenabe.

Das also ist nun unser Zuhause – Sportrad und Kinderwagen in einem – für die kommenden sechs Monate! Morgen wird’s ernst: Satteltaschen dran, Packsäcke, Trinkflaschen. Und dann bleibt nur eine Frage: Kann ich das Ding noch bewegen?