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Mit einer Träne im Knopfloch verlassen wir Südtirol und bald auch den deutschen Sprachraum. Wir zwängen uns in die Mendelbahn und überwinden – unglaublich! – in 12 Minuten 854 Höhenmeter.

Die Bahn wurde am 19. Oktober 1903 in Betrieb genommen und war die erste elektrisch betriebene Seilbahn Österreichs, die steilste Standseilbahn auf dem europäischen Festland und die längste Seilbahn der Welt. Zu ihrer Eröffnung war sie ein technisches Wunderwerk und zog Gäste aus der ganzen Welt in ihren Bann: Kaiserin Sissi, Mahatma Gandhi sowie drei Päpste sind schon mit ihr gefahren.

Oben angekommen stehen wir in Italien und vor uns liegt ein Leben ohne Knödel.

Alles ist hier sonnig und malerisch und voller Geschichte, und als wir schon dachten, es könne schöner nicht werden, da erhielten wir eine Einladung in das Seehotel Ambach, jenen Ort also, der beides auf das Angenehmste verbindet: den Genuss am Wein und den an der Baukunst.

1973 wurde es von dem Südtiroler Architekten Othmar Barth entworfen und steht noch heute so elegant wie damals als weißes Segel aus expressiv geformtem Beton am Ufer des Kalterer Sees. Selbst im Innenraum ist alles noch beim Alten, in genau dem Zustand, den der Architekt für das Haus erdacht hatte. Bis dato der architektonische Höhepunkt der Reise!

Unser Aufenthalt beginnt mit einer hemmungslosen Dusche und kulminiert in einem Sternedinner. 8 Gänge, volle Kanne, dazu ein Ausflug durch die besten Weine der Region. 200 Euro der Spaß – wie gesagt, wir waren eingeladen. Nach dem Hors d’œuvre bestand Unai auf seine Reiswaffeln!

Südlich von Bozen weitet sich das Tal, und vor uns liegt das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Europas. Jeder zehnte Apfel, den wir Deutschen zu uns nehmen, stammt von hier.

An den Hängen der angrenzenden Gebirge wird seit alters her Weinbau betrieben. In Dörfen wie Eppan, Tramin und Kaltern gedeihen einige der besten und bekanntesten Trauben des Landes: Traminer, Vernatsch und Lagrein.

Alles ist hier sonnig und malerisch und voller Geschichte, und als wir schon dachten, es könne schöner nicht werden …

Man kann ihnen ja kaum widerstehen! Vor Äonen sind die Dolomiten dem Tethysmeer entstiegen und in Jahrmillionen zum laut Le Corbusier „schönsten Bauwerk der Welt“ verwittert. 2009 hat die UNESCO sie zum Weltnaturerbe erklärt: die riesige Karstfläche der Fanes-Gruppe, die schroffen Felstürme des Dürrenstein und das Kalkhochplateau des Schlern.

Während Jenni und Unai den kulinarischen Genüssen Brixens fröhnen, bin ich ein paar Tage in den bleichen Bergen unterwegs: hier auf der 3.055 m hohen Lavarela im Naturpark Fanes-Sennes-Prags.

Wir haben die 1.000-Kilometer-Marke geknackt und übernachten heute feierlich und angemessen in den Kreuzgängen des Klosters von San Candido. Olé!

Endlich sind wir in Südtirol, dem Land des Weines und des Specks und des ersten vernünftigen Espressos auf dem Weg nach Süden.

Südtirol ist ein Paradies, in dem sich Nord und Süd die Hand reichen – Lärchen und Palmen, Äpfel und Trauben, Knödel und Pasta. Alpine Bodenständigkeit trifft auf italienisches Dolce Vita, deutsche Regenkleidung auf südländischen Fahrspaß.

Und: Es gibt in Südtirol die schönsten Radwege!

Einer von ihnen führt durch das Pustertal. Er beginnt an der italienisch-österreichischen Grenze, in 1.200 m Höhe, und endet in Bozen, tausend Höhenmeter tiefer. Dazwischen liegen 100 herrliche Kilometer Abfahrt auf perfekt ausgebauten Pisten, durch Wälder und über Almwiesen, und vor allem haben wir die Dolomiten immer im Blick!