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Nach einer Woche steht es fest: Krumau ist eine magische Stadt, und alles in ihr ist krumm: die Moldau, die Gassen, die Bewohner.

Einer von ihnen, der Autor Karel Čapek, bezeichnete den Schlossturm von Český Krumlov einst als den „turmigsten Turm“, den er je gesehen habe. Das märchenhafte Urbild eines mitteleuropäischen Schlossturms: nicht ganz von dieser Welt, eher einem Kinderbuch oder Ritterroman entsprungen.

Der Blick hinunter – ebenfalls märchenhaft: Die Altstadt von Český Krumlov schmiegt sich dort in eine Doppelschleife der Moldau, ein malerischer Teppich aus spitzen Türmen und barocken Giebeln, zu schön fast, um wahr zu sein. Und so geht es weiter.

Wer zum ersten Mal durch die kopfsteinbepflasterten Gassen der Altstadt schlendert, weiß gar nicht, wohin er gucken soll, so viele Postkartenblicke bieten sich mit jedem Schritt. Die Häuser wie aus Marzipan, die Plätze wie gezeichnet – man möchte es kitschig nennen, übertrieben, einen Themenpark – allein: Es ist alles echt!

Die Stadt hat einfach 700 Jahre lang Glück gehabt und ist nie zerstört worden. Nicht vom Zweiten Weltkrieg, nicht vom Ersten, noch nicht einmal vom Dreißigjährigen Krieg – und nach Ende des Eisernen Vorhangs wurde sie sanft restauriert.

Český Krumlov – das ist die Perle Böhmens!

Der schon erwähnten Hitzewelle ist es zu danken, dass wir am 27. Juni ungewöhnlich früh aufstehen. Nebel liegt über den Feldern, und es duftet, wie es nur im Sommer duftet, ein paar Stunden bevor man normalerweise aufsteht.

Als wir die Tore von Český Krumlov erreichen, blickt die Sonne gerade über den Horizont. Die Stadt schläft und mit ihr die Reisebusse und Touristen, und irrten nicht die letzten Schatten durch die Gassen, man könnte meinen, sie sei verlassen.

Hier wollen wir eine Woche bleiben und uns nach Geschichten umschauen, die es wert sind erzählt zu werden.

Wir trampen. Jenni hatte die Schnauze voll. Die Hitze, das Bier, das endlose Auf und Ab.

Ein bisschen naiv waren wir vielleicht. Aber wir kannten ja nur den Elberadweg! Äußerst angenehm und ohne Anstrengungen zu befahren, immer geradeaus, immer schick den Flusslauf lang. Warum sollte der Moldauradweg anders sein? Und wer hat ihm diesen bekloppten Namen gegeben?

Die Moldau hat sich südlich von Prag ein tiefes Bett gegraben und Radwege, die sie begleiten, gibt es praktisch gar nicht. Es geht munter auf und ab, durch Hügellandschaften und über Bergkämme. Die einzelnen Steigungen sind nie groß, in der Summe aber anstrengend. Und auch unbefestigte Abschnitte, die schiebend bewältigt werden müssen, kommen vor. Eine gute Fitness und ein unterstützender Herzschrittmacher sind unbedingt erforderlich!

Hatten wir beides nicht.