Beiträge

Ceský Krumlov, ich erwähnte es, ist die Perle Böhmens und nach Prag die meistbesuchte Stadt des Landes. Busladungen japanischer, chinesischer und koreanischer Touristen drängen sich tagsüber in den Gassen – 1,2 Millionen Menschen jedes Jahr. Sie bauen sie auf ihren Europa-Touren ein, als Tagesausflug von Prag, oder als Zwischenstopp auf dem Weg nach Wien.

Abends dagegen wirkt die Stadt wie ausgestorben. Ein leiser Wind geht durch die Gassen, der Mondschein zittert auf der Moldau.

Und wenn die Nacht sich neigt und auch die letzten Touristen vertreibt, dann kommen sie aus ihren Verstecken: die Überlebenskünstler und die Freigeister, die Maler und Musiker, Schriftsteller und Dissidenten. Und dann erwacht in Krumau, einem mittelalterlichen Städtchen in Südböhmen, die Unterwelt. Was man da sieht – und hört – davon allerdings erzähle ich erst 2018, in meiner neuen Reiseshow.

Nach einer Woche steht es fest: Krumau ist eine magische Stadt, und alles in ihr ist krumm: die Moldau, die Gassen, die Bewohner.

Einer von ihnen, der Autor Karel Čapek, bezeichnete den Schlossturm von Český Krumlov einst als den „turmigsten Turm“, den er je gesehen habe. Das märchenhafte Urbild eines mitteleuropäischen Schlossturms: nicht ganz von dieser Welt, eher einem Kinderbuch oder Ritterroman entsprungen.

Der Blick hinunter – ebenfalls märchenhaft: Die Altstadt von Český Krumlov schmiegt sich dort in eine Doppelschleife der Moldau, ein malerischer Teppich aus spitzen Türmen und barocken Giebeln, zu schön fast, um wahr zu sein. Und so geht es weiter.

Wer zum ersten Mal durch die kopfsteinbepflasterten Gassen der Altstadt schlendert, weiß gar nicht, wohin er gucken soll, so viele Postkartenblicke bieten sich mit jedem Schritt. Die Häuser wie aus Marzipan, die Plätze wie gezeichnet – man möchte es kitschig nennen, übertrieben, einen Themenpark – allein: Es ist alles echt!

Die Stadt hat einfach 700 Jahre lang Glück gehabt und ist nie zerstört worden. Nicht vom Zweiten Weltkrieg, nicht vom Ersten, noch nicht einmal vom Dreißigjährigen Krieg – und nach Ende des Eisernen Vorhangs wurde sie sanft restauriert.

Český Krumlov – das ist die Perle Böhmens!

Der schon erwähnten Hitzewelle ist es zu danken, dass wir am 27. Juni ungewöhnlich früh aufstehen. Nebel liegt über den Feldern, und es duftet, wie es nur im Sommer duftet, ein paar Stunden bevor man normalerweise aufsteht.

Als wir die Tore von Český Krumlov erreichen, blickt die Sonne gerade über den Horizont. Die Stadt schläft und mit ihr die Reisebusse und Touristen, und irrten nicht die letzten Schatten durch die Gassen, man könnte meinen, sie sei verlassen.

Hier wollen wir eine Woche bleiben und uns nach Geschichten umschauen, die es wert sind erzählt zu werden.