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Wir trampen. Jenni hatte die Schnauze voll. Die Hitze, das Bier, das endlose Auf und Ab.

Ein bisschen naiv waren wir vielleicht. Aber wir kannten ja nur den Elberadweg! Äußerst angenehm und ohne Anstrengungen zu befahren, immer geradeaus, immer schick den Flusslauf lang. Warum sollte der Moldauradweg anders sein? Und wer hat ihm diesen bekloppten Namen gegeben?

Die Moldau hat sich südlich von Prag ein tiefes Bett gegraben und Radwege, die sie begleiten, gibt es praktisch gar nicht. Es geht munter auf und ab, durch Hügellandschaften und über Bergkämme. Die einzelnen Steigungen sind nie groß, in der Summe aber anstrengend. Und auch unbefestigte Abschnitte, die schiebend bewältigt werden müssen, kommen vor. Eine gute Fitness und ein unterstützender Herzschrittmacher sind unbedingt erforderlich!

Hatten wir beides nicht.

Seit 20 Jahren bin ich auf allen Kontinenten unterwegs: Südamerika, Antarktis, Afrika, Asien, und es ging sogar in 80 Tagen um die Welt. Aufbrechen, Abschiednehmen, Wiederkommen – all das habe ich unzählige Male durchlebt.

Was am Anfang ein halbes Jahr dauerte – das Zusammenstellen der richtigen Ausrüstung, das Studieren der Vor- und Nachteile eines jeden Produkts, ja, das Wiegen und gegebenenfalls Frisieren eines jeden Gegenstands, um noch das letzte Gramm zu sparen – ist heute ein gezielter Griff nach dem Rucksack, dem richtigen Paar Schuhe und einer handvoll Kleidungsstücke.

Doch dieses Mal ist alles anders: Fünf, vielleicht sechs Monate werden wir unterwegs sein – und Jenni hat noch nie eine größere Reise unternommen. Auf dem längstmöglichen Weg wollen wir einmal durch Europa radeln – mit einem Baby, das in seinem Leben nicht mehr erkundet hat als den Garten hinter unserem Haus.

In zwei Tagen geht es los, gleich nach dem Mittagsschlaf.