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Wir besuchen die Zitadelle von Sisteron. Grandios liegt sie auf scharfen Klippen hoch über dem Tal der Durance – seit 2.000 Jahren das Tor zur Provence!

Heute mal wieder ein Highlight: Wir übernachten in einer Gärtnerei!

Zunächst entdeckten wir die wohlschmeckenden Tomaten, dann Äpfel, Himbeeren und schließlich einen Wasserschlauch. Was soll ich sagen, es folgte eine der besten Duschen der Reise! Wir zogen uns alle splitterfasernackt aus und sprangen tropfnass durch den Baumarkt.

Erst ganz am Schluss entdeckten wir auch die vielen Überwachungskameras.

Man kann ihnen ja kaum widerstehen! Vor Äonen sind die Dolomiten dem Tethysmeer entstiegen und in Jahrmillionen zum laut Le Corbusier „schönsten Bauwerk der Welt“ verwittert. 2009 hat die UNESCO sie zum Weltnaturerbe erklärt: die riesige Karstfläche der Fanes-Gruppe, die schroffen Felstürme des Dürrenstein und das Kalkhochplateau des Schlern.

Während Jenni und Unai den kulinarischen Genüssen Brixens fröhnen, bin ich ein paar Tage in den bleichen Bergen unterwegs: hier auf der 3.055 m hohen Lavarela im Naturpark Fanes-Sennes-Prags.

Es gibt Situationen im Leben, da ist es dem Partner schwer zu vermitteln, dass das, was man gerade tut, schön ist.

Einer dieser kostbaren Momente, in denen sich der Schmerz in den Beinen, das Eis im Gesicht und die Schönheit vor Augen einander die Waage halten. In denen man die Verletzlichkeit spürt, der man auf dem Fahrrad ausgesetzt ist. Einer dieser Momente, in denen Jenni verfluchte, mit mir auf Reisen gegangen zu sein, und ich rufen möchte: „Nicht das richtige Rad muss man haben, sondern die richtige Einstellung!“

Dies ist so ein Moment.

Der Unterschied war: Ich wusste, warum wir uns das antun. Jenni nicht. Die Antwort ist „Peter“. In zwei Tagen werden wir bei ihm sein.

Auf der Postalm wird es interessant: Wer das größte Hochplateau Österreichs erleben möchte, muss sich durch 10 Kilometer Serpentinen beißen.

Nun bin ich ja schon in den Anden gewesen: miserable Pisten, dünne Luft, und die Pässe liegen in 5.000 m Höhe – aber all das könnt ihr vergessen!

Fahrt mit einem beladenen Lastenrad durch die Voralpen, und ihr lernt durch Erleben, dass das Ziel nicht das wichtigste ist, sondern der Weg dorthin. Jeder Meter eine Meditation! Wozu der Buddhismus 1.000 Jahre brauchte, reicht die Strecke von Strobl nach Abtenau.

Wir kommen nur noch langsam voran. Das liegt an drei Dingen. Erstens: Jenni, die noch stillt, hat praktisch seit zwei Jahren keinen Alkohol mehr zu sich genommen. Zweitens: In Tschechien trinkt man nicht zum Essen, sondern isst zum Trinken. Drittens: Das Bier wird in traditionellen Kneipen so lange unaufgefordert auf den Tisch gestellt, bis man zahlt oder umfällt. Und wir haben nur wenig Geld.

Gestern besprach ich das tschechische Bier. Man sagt, es gehört zu den besten der Welt. Man sagt auch: Wer es nicht probiert hat, der war nicht in Böhmen. Und von Glück kann man sagen, dass gerade eine der größten Hitzewellen der Geschichte über Böhmen liegt. Sie hilft uns, tief in die Sitten und Gebräuche des Landes einzutauchen.

Seit 20 Jahren bin ich auf allen Kontinenten unterwegs: Südamerika, Antarktis, Afrika, Asien, und es ging sogar in 80 Tagen um die Welt. Aufbrechen, Abschiednehmen, Wiederkommen – all das habe ich unzählige Male durchlebt.

Was am Anfang ein halbes Jahr dauerte – das Zusammenstellen der richtigen Ausrüstung, das Studieren der Vor- und Nachteile eines jeden Produkts, ja, das Wiegen und gegebenenfalls Frisieren eines jeden Gegenstands, um noch das letzte Gramm zu sparen – ist heute ein gezielter Griff nach dem Rucksack, dem richtigen Paar Schuhe und einer handvoll Kleidungsstücke.

Doch dieses Mal ist alles anders: Fünf, vielleicht sechs Monate werden wir unterwegs sein – und Jenni hat noch nie eine größere Reise unternommen. Auf dem längstmöglichen Weg wollen wir einmal durch Europa radeln – mit einem Baby, das in seinem Leben nicht mehr erkundet hat als den Garten hinter unserem Haus.

In zwei Tagen geht es los, gleich nach dem Mittagsschlaf.