Im Flur türmt sich das Gepäck, doch immer noch fehlen Sachen: Laufschuhe für den Hund, ein Kinderverdeck für Unai. Unsere Abfahrt haben wir deshalb um fünf Tage verschoben, auf den 6. Juni.

Alle Hoffnung liegt nun auf der DHL. Schon heute stand der Postbote mit einem Riesenpaket von Ortlieb in der Tür: Fahrradtaschen, Reisetaschen, Packsäcke in allen Farben und Größen. Beim Auspacken wurde mir warm ums Herz – und Erinnerungen an einen Herbsttag vor 14 Jahren stiegen in mir auf. In den Straßen von Hamburg hatte ich meinen alten Schulfreund Burkhard getroffen. In seiner Wohnung hingen damals zwei Plakate: ein großformatiger Frauenakt und eine Weltkarte. Wir starrten den ganzen Abend an die Wand, tranken Tee und sprachen viel, und gegen Mitternacht wurden diese zwei Plakate für uns die zwei Themen des Lebens: das Gewisse und das Ungewisse.

Binnen Wochen gaben wir unsere Jobs auf, hängten den Alltag an den Nagel und fuhren mit dem Fahrrad von Patagonien nach Alaska.

Die Satteltaschen von Ortlieb habe ich noch heute. Sie sind arg zerschunden. In Bolivien hatten wir sie mit schwarzer Farbe beschmiert und uns selbst die Kleidung zerschlissen, um heil durch den Bürgerkrieg zu kommen. Wir fuhren an die Barrikaden, stellten uns zu Bergarbeitern und Cocabauern an die brennenden Reifen und skandierten gemeinsam gegen den westlichen Imperialismus.

Nach dieser Reise wurde mein Leben ruhiger. Als Fotograf und Reisejournalist war ich weltweit unterwegs, und zunehmend wurden mir dabei die eigenen Füße das liebste Transportmittel. Doch nun trete ich wieder in die Pedalen – 14 Jahre nach Patagonien, 18 Monate nach der Geburt meines Sohnes. In fünf Tagen geht es los. Wenn die Laufschuhe für den Hund noch kommen.

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