Seit 20 Jahren bin ich auf allen Kontinenten unterwegs: Südamerika, Antarktis, Afrika, Asien, und es ging sogar in 80 Tagen um die Welt. Aufbrechen, Abschiednehmen, Wiederkommen – all das habe ich unzählige Male durchlebt.

Was am Anfang ein halbes Jahr dauerte – das Zusammenstellen der richtigen Ausrüstung, das Studieren der Vor- und Nachteile eines jeden Produkts, ja, das Wiegen und gegebenenfalls Frisieren eines jeden Gegenstands, um noch das letzte Gramm zu sparen – ist heute ein gezielter Griff nach dem Rucksack, dem richtigen Paar Schuhe und einer handvoll Kleidungsstücke.

Doch dieses Mal ist alles anders: Fünf, vielleicht sechs Monate werden wir unterwegs sein – und Jenni hat noch nie eine größere Reise unternommen. Auf dem längstmöglichen Weg wollen wir einmal durch Europa radeln – mit einem Baby, das in seinem Leben nicht mehr erkundet hat als den Garten hinter unserem Haus.

In zwei Tagen geht es los, gleich nach dem Mittagsschlaf.

10.00 Uhr: Wir verlassen Bäbelin für eine Probefahrt.

10.52 Uhr: Ankunft in Neukloster.

11.47 Uhr: Was alles reinpasst, in so ein Lastenfahrrad! 4 Bierbüchsen, 2 Milchkartons, 8 Äpfel, 1 Trinkflasche, diverse Spielzeugautos, Kekse und Windeln, 1 Fahrradschloss, Werkzeug und Ersatzschläuche (versteckt unter dem Sitz) – und ein Baguette für die Mama

12.28 Uhr: Bei Teplitz in den Straßengraben gefallen. Die Pumpe hatte sich in meinem Hosenbein verfangen.

Im Flur türmt sich das Gepäck, doch immer noch fehlen Sachen: Laufschuhe für den Hund, ein Kinderverdeck für Unai. Unsere Abfahrt haben wir deshalb um fünf Tage verschoben, auf den 6. Juni.

Alle Hoffnung liegt nun auf der DHL. Schon heute stand der Postbote mit einem Riesenpaket von Ortlieb in der Tür: Fahrradtaschen, Reisetaschen, Packsäcke in allen Farben und Größen. Beim Auspacken wurde mir warm ums Herz – und Erinnerungen an einen Herbsttag vor 14 Jahren stiegen in mir auf. In den Straßen von Hamburg hatte ich meinen alten Schulfreund Burkhard getroffen. In seiner Wohnung hingen damals zwei Plakate: ein großformatiger Frauenakt und eine Weltkarte. Wir starrten den ganzen Abend an die Wand, tranken Tee und sprachen viel, und gegen Mitternacht wurden diese zwei Plakate für uns die zwei Themen des Lebens: das Gewisse und das Ungewisse.

Binnen Wochen gaben wir unsere Jobs auf, hängten den Alltag an den Nagel und fuhren mit dem Fahrrad von Patagonien nach Alaska.

Die Satteltaschen von Ortlieb habe ich noch heute. Sie sind arg zerschunden. In Bolivien hatten wir sie mit schwarzer Farbe beschmiert und uns selbst die Kleidung zerschlissen, um heil durch den Bürgerkrieg zu kommen. Wir fuhren an die Barrikaden, stellten uns zu Bergarbeitern und Cocabauern an die brennenden Reifen und skandierten gemeinsam gegen den westlichen Imperialismus.

Nach dieser Reise wurde mein Leben ruhiger. Als Fotograf und Reisejournalist war ich weltweit unterwegs, und zunehmend wurden mir dabei die eigenen Füße das liebste Transportmittel. Doch nun trete ich wieder in die Pedalen – 14 Jahre nach Patagonien, 18 Monate nach der Geburt meines Sohnes. In fünf Tagen geht es los. Wenn die Laufschuhe für den Hund noch kommen.

In der Hamburger Fahrradmanufaktur Velo 54 bekommt unser Douze den letzten Schliff. Was für ein Rad! Am 12.12.2012 kam es mit einem Paukenschlag auf den Markt, und sein Erscheinungsdatum wurde namensgebend für den französischen Hersteller Douze Cycles (Douze = 12).

Das Besondere am Douze ist seine modulare Bauweise. Es ist mit einem stabilen Stahlrahmen am Heck sowie einer Alufront ausgestattet und kann in der Mitte per Schnellverschluss auseinandergebaut werden. Das Rad ist also teilbar und lässt sich für den Transport einfach zerlegen! Auch sonst steckt das Douze voller raffinierter Details: Eine Seilzug-Lenkung sorgt für agiles, spielfreies und sehr direktes Lenkverhalten. Dazu gibt es standardmäßig hydraulische Scheibenbremsen und als Antrieb – Rohloff sei Dank – eine Speedhub 500/14 Getriebenabe.

Das also ist nun unser Zuhause – Sportrad und Kinderwagen in einem – für die kommenden sechs Monate! Morgen wird’s ernst: Satteltaschen dran, Packsäcke, Trinkflaschen. Und dann bleibt nur eine Frage: Kann ich das Ding noch bewegen?